Lindenberg

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NIEMANDSLAND

Frage:

Udo, es gibt Texte von Dir, die sind Allgemeingut: Hinterm Horizont gehts weiter oder im Sonderzug nach Pankow. Welche Ansprüche hast Du an Dich selber beim Texten? 

Udo Lindenberg:
Bei meinen Texten habe ich mir immer vorgestellt, dass sie auch als Gedichte, auch als Lyrik funktionieren. Der Text muss auch ohne Musik dastehen wie eine Eins.

Frage:
Aber LEBENdIGITAL haben Deinen gesprochenen Texten wieder Sounds und Grooves hinzugefügt.

Udo Lindenberg:
Man kann ja auch mit den Texten alles Mögliche machen. Man kann sie sprechen, man kann sie wieder neu bearbeiten oder so etwas tun, was jetzt auch LEBENdIGITAL damit gemacht haben. Was dann aber eine echte Überraschung für mich war: die Sounds, die Athmosphären, die Grooves. Ich finde, das ist eine sehr spannende Sache geworden.

Frage:
War es ein großer Unterschied, die Texte zu sprechen statt zu singen?

Udo Lindenberg:
Als ich die Texte gelesen habe, ist da so eine Spannung gewesen. Das war für mich ganz neu, das so zu lesen. Hatte beim Lesen eine ganz andere Wahrnehmung von den Sachen, ich hab die Texte ganz anders reflektiert als beim Singen. Wir haben das ja nicht einfach so abgelesen, sondern da kamen bei mir richtig viele Emotions und Erinnerungen hoch.

Frage:
Wie seid ihr die Sache angegangen?

Udo Lindenberg:
Die Jungs wollten ja gleich am ersten Abend mit den Aufnahmen starten, aber ich hab dann gesagt, lasst uns erst mal ein bisschen eingrooven, lasst uns erst mal ein bisschen rumspinnen, was wir da eigentlich machen wollen.

Frage:
Du bist 62. Bist Du immer noch experimentierfreudig?

Udo Lindenberg:
Das ist ein fester Bestandteil der Panikbetriebe, die Freude am Experiment. Ich muss nicht immer genau wissen, wo es langgeht, ich mache lieber mal ein paar Schritte ins Niemandsland, da, wo noch keiner war. So als Abenteurer und Entdecker: man zieht los, um was Neues zu finden, denn was wir kennen, das kennen wir ja schon.

Frage:
Was treibt Dich an? Du könntest es doch auch ruhig angehen lassen, auf Tour gehen und Deine alten Hits singen.

Udo Lindenberg:
Ich finde es langweilig, nur die eigene Legende zu verwalten. Die alten Sachen zu singen, das mache ich auch gern, ist ok, natürlich wollen die Leute das auch immer mal wieder hören. Aber gleichzeitig bin ich auch immer in einem Laboratorium für neue Sachen unterwegs: ich mache neue Dinger, Theater, Hörbücher, Bilder, irgendeinen Wahnsinn, immer mal gucken, was dann so passiert. Eben immer schön open sein. (Foto: Tine Acke)